Rechtsanwalt Kay Reese

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Kinder, Jugendliche, Heranwachsende: Wann findet das Jugendstrafrecht Anwendung?

Nicht alle Straftäter können strafrechtlich belangt werden. So sind Kinder grundsätzlich nicht strafmündig. Bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres muss in Deutschland kein Täter Angst vor Strafverfolgung haben. Bei dieser Tätergruppe soll nach den Vorstellungen des Gesetzgebers das für den Wohnsitz des Minderjährigen örtlich zuständige Jugendamt Maßnahmen ergreifen oder die Eltern bei der Erziehung des Kindes unterstützen. Tatsächlich geht diese Idee jedoch bei vielen Problemfällen in eine falsche Richtung. Dies liegt in vielen Gemeinden auch an der chronischen Unterbesetzung der Jugendbehörde vor Ort.

Erst ab Vollendung des 14. Lebensjahres muss ein jugendlicher Straftäter mit ernsteren Konsequenzen rechnen. Bei Personen, die zum Tatzeitpunkt zwischen 14 und 18 Jahre alt waren, findet das Jugendgerichtsgesetz (JGG) als eine Art „lex specialis“ des Strafrechts für Jugendliche zwingend Anwendung. Im Vordergrund des Jugendstrafrechts steht nicht die Bestrafung des jugendlichen Täters. Vielmehr sollen erzieherische Maßnahmen im Mittelpunkt stehen. Selbst nach einer Körperverletzung drohen einem jugendlichen Ersttäter in der Regel vergleichsweise zum Strafrecht für Erwachsene nur milde Maßnahmen. So erklären sich viele Urteile, die nach breiter Diskussion in den Medien in manchen Fällen als nicht zu abschreckend angesehen werden.

Trotz seiner Bezeichnung „Jugendgerichtsgesetz“ ist dieses Bundesgesetz nicht nur auf Jugendliche anwendbar. Auch Heranwachsende bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres können vom – aus Sicht des mutmaßlichen Täters – günstigeren Jugendgerichtsgesetz (JGG) profitieren, sofern sich bei Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters herausstellt, dass der heranwachsende Täter nach seiner geistigen und sittlichen Entwicklung zur Tatzeit noch einem Jugendlichen gleichstand. Dies wird das Gericht für gewöhnlich durch einen Sachverständigen prüfen lassen.

Wendet das zuständige Gericht Jugendstrafrecht an, so kann der Angeklagte im Vergleich zum Erwachsenenstrafrecht nur deutlich milder bestraft werden. So ist im Jugendgerichtsgesetz nur eine Höchststrafe von zehn Jahren Jugendstrafe selbst für schwerste Verbrechen vorgesehen. Eine lebenslange Freiheitsstrafe (etwa für Mord) ist dann nicht möglich. Insoweit können Bruchteile von Sekunden durchaus von entscheidender Bedeutung sein. Besonders dramatisch wäre dies, wenn sich eine noch 20-jährige Person um 23.55 Uhr in der Geburtstagsnacht betrinkt und dann in den nächsten Minuten ein Tötungsdelikt begeht. Waren nur Täter und Opfer zugegen, muss dann die Rechtsmedizin klären, ob der Täter zum Tatzeitpunkt noch 20 oder schon 21 Jahre alt war.

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